Statement von Eberhard Maibaum zum Thema „Vernetzung von Stadt- und Kreismusikverbänden“ am 8.12.1999 im Hause Städtetag NRW.Eine Veranstaltung des Landesmusikrates NRW
Um das Modell „Stadtmusikverband Großstadt“ am Beispiel des Stadtmusikverbandes Köln darzustellen, muss man die Frage stellen: Wie kam es zur Gründung von Stadtmusikverbänden in NRW, insbesondere in Köln.Eberhard MaibaumNur auf dem Hintergrund der öffentlichen Beachtung des Ehrenamtes konnte die kulturelle Basis für eine musikalische Breitenarbeit entstehen.
So gab es vielerorts Chorzusammenschlüsse in den Sängerverbänden, später auch in Instrumentalverbänden.
Was man mit solchen Zusammenschlüssen erreichen kann, hat der Sport seit langem gezeigt: Er hat mit dem Landessportbund seit 50 Jahren ein wirkungsvolles Instrument, um seine Aufgaben und Ziele durchzusetzen. Die Musik organisiert sich erst seit ca. 20 Jahren in Landesverbänden.Im Sport gibt es seit Jahrzehnten auch auf der kommunalen Ebene Stadt- und Kreissportverbände. Die Musik hat bisher vereinzelt in NRW derartige Zusammenschlüsse zustandegebracht. Somit hatte sie noch nicht ihre volle Organisationskraft bei Vereinen und Verbänden erreicht.
Erst mit dem Zusammenschluss aller Amateur-Musikvereinigungen in der Kommune wird eine Plattform geschaffen, die es ermöglicht, dass die Organe kommunaler Selbstverwaltung einen gleichwertigen Ansprechpartner finden, wie es bei den Sportverbänden schon seit langem der Fall ist.
Diese Ausgangsüberlegungen führten vor 10 Jahren zur Gründung des SMV Köln.
Die Situation in Köln war so, dass die Chöre und Musikvereine eine lockere Verbindung zum Kulturamt hatten und dieses bzgl. unterstützender Gelder kontaktierten. Seit der kommunalen Neugliederung im städtischen Raum in Bezirksverwaltungen fielen diesen auch die kulturellen Aufgaben in ihren Bezirken zu. Eine gemeinsame Kulturpolitik der Laienmusikvereine war dadurch nur noch bedingt möglich im Rahmen der Stadtteilkultur. So war auch der Kontakt zu den Kulturpolitikern nur im Rahmen der Bezirksvertretungen gegeben.
Es war der Wunsch der Vereine, sich zu einem Verband zusammenzuschließen, der ihre Anliegen bei den Kulturpolitikern, dem Kulturamt, den Bezirksvertretungen etc. vertritt, Probleme zu lösen versucht und sie bei ihren musikalischen Aktivitäten unterstützt.
1989 wurde der SMV gegründet. Es bedurfte der 10 Jahre bis er sich etabliert hat.
Heute ist er in Köln weitgehend bekannt. Die Aufbauarbeit war mühselig und bedurfte eines langen Atems.Die Zusammenarbeit mit den städtischen Institutionen sollte eine wichtige Aufgabe des SMV werden, um Fördermittel effizient für die Durchführung von Projekten wie die musikalische Jugendarbeit, die musikalische Weiterbildung oder Leistungsförderung einsetzen zu können.
Hierbei half die Berufung eines Kuratoriums, das aus wichtigen Kulturpolitikern und Vertretern der Wirtschaft besteht. Durch deren Engagement konnte für den SMV eine kleine Haushaltsstelle eingerichtet werden, die eine finanzielle Grundlage für die Arbeit ist. Aber auch andere wichtige Probleme wie die Probenraum- und Konzertsaalfragen, die einer Lösung bedürfen, sind Gegenstand gemeinsamer Beratungen. So hat der SMV bei den kommunalen Spitzen angeregt, ein sogenanntes Haus der Musik für die Laienmusik einzurichten, was durchaus nicht auf Ablehnung gestoßen ist.
Ein wichtiger Aufgabenbereich ist die Öffentlichkeitsarbeit. Der SMV ist durch ein Vorstandsmitglied im Rundfunkrat bei Radio Köln vertreten.
Ferner ist er im Internet etabliert. Hier kann er Programme seiner Mitgliedsvereine und sonstige Informationen bekanntgeben.Die Kontakte zur Presse werden ebenfalls durch ein Vorstandsmitglied wahrgenommen.
Eine nicht unwesentliche Aufgabe ist die Förderung und Vermittlung musikalischer Veranstaltungen. In den vergangenen 10 Jahren konnte der SMV in Zusammenarbeit mit dem Rat und dem Kulturamt der Stadt Köln als Ansprechpartner viele Aufgaben durchführen. Hier sind unter anderem zu nennen die Veranstaltungen
* zu den Rheinischen Musikfesten
* auf den Weihnachtsmärkten
* bei Ford Köln Marathon
* der Sonntagsmatinéen am Tanzbrunnen
* der Gemeinschaftskonzerte des SMVZusammenfassend kann man sagen, dass es die Hauptaufgabe des SMV ist, die Bedeutung des Laienmusizierens in der Öffentlichkeit, d.h. im kulturpolitischen Raum bewusst zu machen und eine entsprechende Lobby zu schaffen im Kontakt mit dem Kuratorium, dem Rat, dem Kulturausschuss, den Bezirksvorstehern und dem Kulturdezernat.
Gleichwichtig ist die Förderung der Mitgliedsvereine, damit diese ihrer kulturellen Zielsetzung gerecht werden können.
Und nicht zuletzt ist der SMV Vermittler und Organisator von Veranstaltungen.
Der Aufbau eines solchen Großstadtverbandes ist sicher schwieriger als eines Verbandes in einer mittleren oder Kleinstadt oder einer Gemeinde; wie es ja auch für die Großstadtvereine schwieriger ist, sich zu behaupten, weil das professionelle kulturelle Angebot immens groß ist. In kleineren Städten und Gemeinden vollzieht sich die Entwicklung sicher ganz anders - wie wir noch hören werden. Da gibt es viel stärker gewachsene Strukturen. Diese fehlen in der Großstadt.
Sicher wird sich die Entwicklung des SMV in Köln nicht ohne weiteres auf andere Großstädte als Modell übertragen lassen. Aber eine Vernetzung von Stadtmusikverbänden bzw. auch Kreis- und Gemeindeverbänden könnte durch den Erfahrungsaustausch für die Entstehung und Entwicklung von neuen Verbänden und somit für das Ganze hilfreich sein.